Organische Putzarten im Überblick:
Welcher Oberputz passt zu welcher Fassade?

Dispersionsputz, Silikonharzputz oder Silikatputz – bei der Auswahl eines Fassadenputzes begegnen Bauherren schnell vielen verschiedenen Bezeichnungen. Optisch können sich die Putze sehr ähnlich sehen. Unterschiede gibt es vor allem bei den verwendeten Bindemitteln und den daraus resultierenden Eigenschaften.

Organische beziehungsweise pastöse Putze werden in der Regel gebrauchsfertig im Eimer geliefert und hauptsächlich als Oberputz eingesetzt. Zu den wichtigsten Gruppen gehören Dispersionsputze, Silikonharzputze und Dispersions-Silikatputze.

Welcher Putz für eine Fassade geeignet ist, hängt jedoch nicht nur von der gewünschten Optik ab. Entscheidend sind unter anderem der Untergrund, das vorhandene Putzsystem, die Witterungsbelastung und der gewünschte Farbton. Auch bei Wärmedämm-Verbundsystemen muss der Oberputz zum jeweiligen System passen.

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Was sind organische Putze?

Organische Putze sind Putze, deren Eigenschaften wesentlich durch organische Bindemittel wie Polymerdispersionen bestimmt werden. Je nach Putzart können diese mit weiteren Bindemitteln wie Siliconharz oder Wasserglas kombiniert werden. Im Unterschied zu vielen mineralischen Putzen werden organische Putze meist gebrauchsfertig und pastös geliefert. Sie kommen vor allem als Oberputz zum Einsatz und bieten je nach Zusammensetzung unterschiedliche Vorteile hinsichtlich Gestaltung, Witterungsschutz und Wasserdampfdurchlässigkeit.

Je nach verwendetem Bindemittel und Einsatzbereich unterscheiden sich organische Putze deutlich in ihren Eigenschaften. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Putzarten und erläutert, wofür sie typischerweise eingesetzt werden.

Die wichtigsten organischen Putzarten kurz erklärt

Die schnelle Antwort: Dispersionsputze bieten eine große Farbton- und Gestaltungsvielfalt. Silikonharzputze verbinden einen guten Witterungsschutz mit hoher Wasserdampfdurchlässigkeit. Dispersions-Silikatputze besitzen durch ihren Wasserglasanteil einen stärker mineralischen Charakter.

Putzart Typische Eigenschaften Häufige Einsatzbereiche
Dispersionsputz vielseitig, gut haftend, große Farbtonauswahl, unterschiedliche Strukturen möglich Fassaden, Wärmedämm-Verbundsysteme und – je nach Produkt – gestaltete Innenflächen
Silikonharzputz stark wasserabweisend, gleichzeitig wasserdampfdurchlässig und witterungsbeständig insbesondere Fassaden und Wärmedämm-Verbundsysteme
Dispersions-Silikatputz hohe Wasserdampfdurchlässigkeit, mineralischer Charakter, gute Verbindung mit geeigneten mineralischen Untergründen Fassaden, Wärmedämm-Verbundsysteme und Innenflächen

Die konkreten Eigenschaften können sich allerdings von Produkt zu Produkt unterscheiden. Für die Auswahl sollte deshalb nicht allein die Bezeichnung des Putzes betrachtet werden.

Dispersionsputz: vielseitig und farblich flexibel

Dispersionsputz – früher häufig auch als Kunstharzputz bezeichnet – enthält als eigenschaftsbestimmendes Bindemittel eine Polymerdispersion.

Ein großer Vorteil liegt in seiner Vielseitigkeit. Dispersionsputze können auf zahlreichen fachgerecht vorbereiteten Untergründen eingesetzt werden und bieten eine große Auswahl an Farbtönen, Körnungen und Oberflächenstrukturen.

Möglich sind beispielsweise Kratz-, Reibe-, Rillen- oder Modellierstrukturen sowie sehr feine Putzoberflächen. Auch Buntstein- beziehungsweise Mosaikputze können dispersionsgebunden sein.

Für Hausbesitzer bedeutet das: Mit Dispersionsputzen lassen sich Fassaden sehr unterschiedlich gestalten. Ob ein solcher Putz für das jeweilige Gebäude geeignet ist, sollte jedoch immer im Zusammenhang mit dem gesamten Fassadenaufbau beurteilt werden.

Silikonharzputz: Witterungsschutz und Wasserdampfdurchlässigkeit

Beim Silikonharzputz werden Silikonharzemulsion und Polymerdispersion miteinander kombiniert.

Eine typische Eigenschaft von Silikonharzen ist ihre stark wasserabweisende Wirkung. Gleichzeitig können entsprechend eingestellte Silikonharzputze eine hohe Wasserdampfdurchlässigkeit besitzen.

Vereinfacht gesagt: Regenwasser soll möglichst wenig in die Oberfläche eindringen, während Wasserdampf aus dem Wandaufbau nach außen gelangen kann.

Damit eignen sich Silikonharzputze besonders für Fassaden, die regelmäßig Wind und Wetter ausgesetzt sind. Sie werden auch häufig als Oberputz auf Wärmedämm-Verbundsystemen eingesetzt.

Die Bezeichnung „Silikonharzputz“ allein sagt allerdings noch nicht alles über die Eigenschaften eines Produkts aus. Wasseraufnahme, Wasserdampfdurchlässigkeit und weitere Merkmale können sich je nach Produkt und System unterscheiden.

Dispersions-Silikatputz: mineralischer Charakter

Dispersions-Silikatputz wird im Alltag häufig einfach als Silikatputz bezeichnet. Als Bindemittel enthält er Kalium- beziehungsweise Lithiumwasserglas in Verbindung mit einer Polymerdispersion.

Das Wasserglas kann sich mit geeigneten mineralischen Untergründen verbinden. Dieser Vorgang wird als Verkieselung bezeichnet. Die Polymerdispersion beeinflusst unter anderem die Verarbeitung und Elastizität des Materials.

Dispersions-Silikatputze zeichnen sich typischerweise durch eine hohe Wasserdampfdurchlässigkeit und einen mineralisch wirkenden Oberflächencharakter aus.

Bei der Farbgestaltung kann die Auswahl gegenüber reinen Dispersionsputzen stärker eingeschränkt sein. Welche Farbtöne möglich sind, hängt vom jeweiligen Produkt und den dafür geeigneten Pigmenten ab.

Was bedeutet eigentlich „pastöser Putz“?

Der Begriff „pastös“ beschreibt zunächst die Liefer- und Verarbeitungsform des Putzes.

Viele mineralische Putze werden als Trockenmörtel geliefert und auf der Baustelle mit Wasser angemischt. Pastöse Putze kommen dagegen in der Regel bereits gebrauchsfertig im Eimer oder Silo auf die Baustelle. Vor der Verarbeitung müssen sie üblicherweise nur entsprechend den Herstellerangaben aufgerührt beziehungsweise vorbereitet werden.

Körnung und Struktur bestimmen das Erscheinungsbild

Für die Optik einer Fassade ist nicht nur die Putzart entscheidend. Auch Körnung, Korngröße und Verarbeitungstechnik haben großen Einfluss auf die spätere Oberfläche.

Ein und derselbe Bindemitteltyp kann deshalb ganz unterschiedlich aussehen. Möglich sind beispielsweise:

  • Kratzputzstrukturen
  • Scheibenputzstrukturen
  • Rillen- oder Reibeputze
  • Modellierputze
  • Streich- oder Rollputze
  • Spritzputze
  • Buntstein- beziehungsweise Mosaikputze

Je nach Körnung und Verarbeitung können so sehr feine und gleichmäßige oder deutlich strukturierte Fassadenoberflächen entstehen.

Welcher organische Putz passt zu meiner Fassade?

Einen Fassadenputz, der grundsätzlich für jedes Gebäude die beste Lösung ist, gibt es nicht.

Ein Dispersionsputz kann beispielsweise interessant sein, wenn eine große Gestaltungs- und Farbtonvielfalt gewünscht wird. Silikonharzputze kommen häufig zum Einsatz, wenn ein guter Witterungsschutz mit Wasserdampfdurchlässigkeit verbunden werden soll. Dispersions-Silikatputze bieten sich an, wenn ein stärker mineralisch geprägter Charakter gewünscht ist.

Entscheidend ist jedoch immer der gesamte Wand- und Putzaufbau. Der Oberputz muss zum Untergrund, zum Unterputz beziehungsweise Wärmedämm-Verbundsystem und zu den Belastungen am Gebäude passen.

Ein Fachbetrieb kann den vorhandenen Aufbau beurteilen und ein darauf abgestimmtes Putzsystem empfehlen.

FAQ: Häufige Fragen zu Putzarten

Beim Dispersionsputz besteht das eigenschaftsbestimmende Bindemittel aus einer Polymerdispersion. Beim Silikonharzputz werden Polymerdispersion und Silikonharzemulsion kombiniert. Dadurch können Silikonharzputze eine geringe Wasseraufnahme mit guter Wasserdampfdurchlässigkeit verbinden.

Hier muss genauer unterschieden werden. Der häufig eingesetzte Dispersions-Silikatputz enthält sowohl Wasserglas als auch Polymerdispersion. Dadurch besitzt er einen mineralischen Charakter, gehört als gebrauchsfertiger pastöser Putz aber zu den Putzen mit organischen Bindemitteln beziehungsweise Bindemittelkombinationen.

Nein. Ein Fassadenputz soll Regen möglichst gut abweisen, macht eine Fassade aber nicht einfach „wasserdicht“. Wie viel flüssiges Wasser ein Putz aufnimmt beziehungsweise durchlässt, hängt vom jeweiligen Produkt und vom gesamten Fassadensystem ab.

Dispersions-, Silikat- und Silikonharzputze können eine hohe Wasserdampfdurchlässigkeit erreichen. Auch Dispersionsputze können entsprechend eingestellt sein. Für einen fachlichen Vergleich sollten deshalb die konkreten Produkteigenschaften und nicht allein die Bezeichnung des Putzes betrachtet werden.

Ja. Pastöse Oberputze werden häufig auf Wärmedämm-Verbundsystemen eingesetzt. Entscheidend ist jedoch, dass der gewählte Oberputz für das jeweilige WDVS vorgesehen beziehungsweise Bestandteil des entsprechenden Systems ist.

Das lässt sich zuverlässig erst beurteilen, wenn unter anderem Untergrund, vorhandener Wandaufbau, Lage und Witterungsbelastung des Gebäudes, Dämmung und gewünschte Oberfläche bekannt sind.

Ein Stuckateur-Fachbetrieb kann die vorhandene Konstruktion prüfen und ein darauf abgestimmtes Putzsystem empfehlen.